Projektdaten
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Bauherr: Kreisverwaltung Barnim / Sparkasse Barnim
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Standort: Eberswalde
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Projektart: Öffentliches Verwaltungsgebäude
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Fertigstellung: 2007
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BGF: 21.631 m²
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Zertifizierung: DGNB-Neubau Platin, DGNB-Bestand PlatinDGNB
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Leistungszeitraum: 2004–2013
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Leistungsphasen: LPHO–LPH9
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Projektinformationen: https://de.wikipedia.org/wiki/Paul-Wunderlich-Haus
DGNB-Zertifizierungsbegleitung für ein öffentliches Verwaltungs- und Dienstleistungszentrum in Eberswalde
Projektbeschreibung
Selten besteht die Chance, ein ambitioniertes Bauvorhaben so konsequent in seiner Gesamtentwicklung und Umsetzung zu begleiten. Bei diesem Projekt war sol•id•ar von Anbeginn dabei: als Berater des Bauherrn, als Begleitforscher im EnOB-Förderprojekt und als Auditor bei der Zertifizierung. Das Paul-Wunderlich-Haus wurde mit Bestnote 1,18 zertifiziert, erhielt zahlreiche Architekturpreise und reüssiert mittlerweile auch international. Der Projekterfolg ist eine Teamleistung „par excellence“, gefördert im Programm Energieoptimiertes Bauen (EnOB).
Projektentstehung und Standortentscheidung
Im Jahr 2001 wurde der ambitionierte und mutige Beschluss gefasst, das „Kreishaus“ in zentraler Lage neu zu bauen als Ersatz für das verloren gegangene Stadtzentrum in Eberswalde. Die seit dem Zweiten Weltkrieg nicht wieder bebaute Nachkriegsbrache im Stadtzentrum hatte sich in vergangenen Jahrzehnten zu einem idyllischen, grünen Platz entwickelt, der in den Augen vieler Bürger einen hohen Stellenwert genoss. Aber diese Standortdebatte ließ das Projekt reifen und sorgte letztlich dafür, dass die Berechtigung des Bauvorhabens durch viele strategische Ziele untersetzt wurde, die für öffentliche Bauten als überaus ambitioniert waren und sind.
Städtebauliches Konzept und Architektur
Das Gebäudeensemble des Dienstleistungs- und Verwaltungszentrums Barnim schließt eine große im Krieg entstandene Lücke mitten in der historischen Altstadt und erfüllt so seine neue städtebauliche Aufgabe. Das fehlende „Stück Stadt“ wurde durch vier kompakte 3- bis 4- geschossige Baukörper ergänzt, die sorgfältig an den noch intakten Rändern anknüpfen und sich in Form und Maßstab in die bestehende städtische Struktur einfügen.
Ein zusätzlicher Baukörper auf dem Gelände der alten Feuerwache hat eine besondere Bedeutung als Tor zum Stadtzentrum. Die durch die Kriegszerstörung verloren gegangenen Bezüge im Stadtraum wurden wieder hergestellt und die wichtigen öffentlichen Gebäude und Räume am Standort neu vernetzt.
Der Neubau orientiert sich am städtebaulichen Bild einer geschlossenen Blockrandbebauung. Neben der Reminiszenz an die Kleinteiligkeit der Altstadt wird auch eine erlebbare Maßstäblichkeit des Neubaus sichergestellt, vor allem durch die differenzierte Gestaltung der Baukörper.
Öffentlicher Raum und Stadtraumqualität
Im Zentrum der Anlage auf dem Pavillonplatz entstand ein öffentlicher, funktional vielschichtiger Raum. Seine Ausprägung als Gassenraum mit kurzen geradlinigen Fassadenabschnitten setzt ihn deutlich von den übrigen Straßenräumen ab. Beim Zusammentreffen mit der Kirchstraße weitet er sich räumlich auf und wird zur Mitte des Paul-Wunderlich-Hauses.
Nachhaltigkeit und Zertifizierungsprozess
Das Ensemble wurde im Juli 2007 fertiggestellt. Im Planungszeitraum befand sich das Deutsche Gütesiegel Nachhaltiges Bauen noch nicht einmal in der Entwicklung. Nachhaltiges Planen und Bauen war und ist also zunächst unabhängig von Zertifizierungssystemen möglich.
Durch die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Nachhaltigkeit und den bereits geleisteten Vorarbeiten, bot das Projekt in Eberswalde die besten Voraussetzungen für eine Systemerprobung. Daher wurde unter anderem das Paul-Wunderlich-Haus ausgewählt, um das Bewertungssystem im Auftrag des BMVBS zu validieren und erstmalig anzuwenden.
Ziel der Pilotzertifizierung war es, die Datengrundlagen für die Gebäude zu schaffen und zu analysieren, das vorhandene System der Kriteriensteckbriefe in der Anwendung zu überprüfen und weiterzuentwickeln, das Bewertungssystem mit seinen Benchmarks, der Punkteverteilung und Wichtung zu überprüfen, die eigentliche Zertifizierung vorzunehmen sowie den gesamten Prozess zu dokumentieren.
Später wurden auch die Bestandszertifizierung DGNB und das Modul „Nutzen und Betreiben“ des BNB an dem Gebäude erprobt. Die in der Planung angestrebte Qualität wurde so auch im späteren Betrieb bestätigt.


















